Artemis Quartett

Jubiläum und Neustart fallen zusammen. Statt zufriedener Rückschau ist ein mutiger Aufbruch gefragt. Dreißig Jahre nach seiner Gründung im Mauerfall-Jahr 1989 hat das Artemis Quartett zwei neue Mitglieder aufgenommen und sich deutlich verjüngt. Souverän hatte das Ensemble in den vergangenen Jahren mehrere Umbesetzungen gemeistert. Doch nun steht ein fundamentaler Wandel bevor: Mit Beginn der Saison 2019/20 alterniert Suyoen Kim, die in Münster, Westfalen, geborene Geigerin, die beim Konzerthausorchester Berlin als Erste Konzertmeisterin verpflichtet ist, mit Vineta Sareika auf den Positionen der ersten und zweiten Violine, während Anthea Kreston das Quartett verlassen hat. Harriet Krijgh, die solistisch hoch profilierte holländische Cellistin, übernimmt den Part von Gründungsmitglied Eckart Runge.

Es ist ein Stabwechsel bei hohem Tempo und zugleich im Scheinwerferlicht einer erwartungsvollen Öffentlichkeit. Bereits im September 2019 standen unter anderem zwei Auftritten im Amsterdamer Concertgebouw auf dem Tourneeplan. Das neu formierte Quartett setzt in der Saison 2019/20 seine gefeierten Zyklen mit je drei Programmen im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie und im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses fort und ist weiterhin in den bedeutenden Reihen Europas, Nordamerikas und Asiens präsent. Die Herausforderung ist immens: Das Ensemble muss sich neu finden und dennoch seinen Charakter wie seine Identität bewahren. Kein Musiker aus dem ursprünglichen Ensemble, das sich während des Studiums an der Musikhochschule Lübeck zusammengefunden hatte, ist seit Eckart Runges Ausscheiden mehr aktiv. Dennoch ist die Kontinuität der Generationen gegeben: Bratschist Gregor Sigl gehört dem Quartett seit 2007 an; Vineta Sareika kam 2012 als Primaria hinzu.

In der neuen Konstellation scheinen alle Voraussetzungen zu stimmen: Schon früh in der Auswahlphase für die vakant gewordenen Positionen hatten Vineta Sareika und Gregor Sigl die beiden neuen Kollegen ins Auge gefasst – zögerten dann aber sie anzusprechen, weil beide in ihren Karrieren gerade so immens erfolgreich waren. Sowohl Suyoen Kim als auch Harriet Krijgh „spielen sensationell“, schwärmt der Bratscher, sie sind „immens neugierig“ – und „wollen unbedingt Quartett spielen“. Für beide Musikerinnen erfüllt sich ein lang gehegter professioneller Traum. Schon 2020 steht mit dem Beethoven-Jubiläum eine Phase an, in der die international führenden Streichquartette besonders im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen dürften. Das Artemis Quartett begeht den 250. Geburtstag mit drei Programmen: Je ein großes Beethoven-Quartett (op. 59/3, 130/133, 132) wird mit im Auftrag des Ensembles entstehenden Novitäten von Peteris Vasks, Lera Auerbach und Jörg Widmann kombiniert. Für eines der Programme, das die Streichquintett-Version von Beethovens Kreutzer-Sonate vorstellt, gesellt sich Eckart Runge als zweiter Cellist der Gruppe hinzu.


Vineta Sareika, Suyoen Kim (alternierende Violinen)

Gregor Sigl (Viola), Harriet Krijgh (Violoncello)