„Der Mensch im Angesicht des Mysteriums“

Andrea Trawöger, 07.07.2026

„Die Linzer, daran ließen sie auch an diesem heftig akklamierten Abend keinen Zweifel, beherrschen dieses Repertoire im Schlaf. Sie haben diese, bei ihrer Uraufführung von Eduard Hanslick polemisch gegeißelte c-Moll-Symphonie im Laufe ihrer mehr als zweihundertjährigen Geschichte unter den unterschiedlichsten Dirigenten aufgeführt, kennen dieses Opus aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Trotzdem haben sie sich die Flexibilität bewahrt, sich auf die verschiedenen Zugänge dieses monumentalen Werks profund einlassen zu können.“

„Philippe Jordan setzt bei seinen Bruckner-Interpretation – man hat es aus seinen Aufführungen mit seinem einstigen Orchester, den Wiener Symphonikern, noch gut in Erinnerung – vorrangig auf Durchsichtigkeit und strukturelle Klarheit. Er vermeidet jeden Anflug von Zelebrieren oder Pathos, ohne dabei die Dramatik zu diminuieren.“

„Ob dieses erste, erfolgreiche Zusammentreffen eine Fortsetzung finden wird? Die Freude, mit der sich Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz ihrer Herausforderung stellten, vor allem das dabei erzielte Ergebnis, schüren eine solche Erwartung.“

-> Die Presse, 5. Juli 2026

Philippe Jordan

Philippe Jordan · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan

Philippe Jordan · Foto: Reinhard Winkler

Philippe Jordan & das Bruckner Orchester Linz · Foto: Reinhard Winkler

„Es ist eindrücklich zu merken, wie vertraut das Orchester mit Bruckners Werk ist, wobei sich dies nicht nur auf die Kenntnis der konkreten Komposition bezieht, sondern vielmehr noch in einem hörbaren grundlegenden Zugang ausdrückt, der Virtuosität mit Natürlichkeit in Einklang bringt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Bruckner Orchester dennoch eine so große Offenheit für die Interpretation des jeweiligen Dirigenten mitbringt, sodass unter jedem von ihnen eine eigen gefärbte und gestaltete Aufführung entsteht.“

„Philippe Jordan überzeugt mit dem Bruckner Orchester mit seiner sehr erfahrungsbezogenen und -ermöglichenden Interpretation, welche bei aller genauesten Hervorhebung von Details weder zu intellektuell oder kleinteilig noch zu stark auf das Zelebrieren jedes einzelnen Klangs bedacht ist. Es entsteht der Eindruck, dass die Interpretation hier gerade nicht im Zentrum stehen oder gar vereinnahmen soll, sondern dass ihr höchstes Ziel die Offenbarung der Musik in all ihrer Komplexität und Unfassbarkeit ist. Jordans Bruckner ist kein von außen kommend überwältigender, sondern ein innerlicher, tief empfundener, der dadurch einlädt, auch selbst zu empfinden. Durch eine gewisse Natürlichkeit, die Freilegung der musikalischen Strukturen, ihre dramatische Gestaltung und Entfaltung kann die Musik so aber letztlich überwältigender und einnehmender wirken, sie wird transparent für die Gesamtheit aller Dimensionen des Menschseins – zu einer existentiellen Erfahrung. In dieser Transparenz ist aber immer auch ein transzendentes Moment aufgehoben, das es ermöglicht, über das Menschliche hinauszuschreiten und in Berührung zu kommen mit dem „Mysterium“.“

-> Das Opernmagazin, 6. Juli 2026