STIFTSKONZERT: Franz Welser-Möst dirigierte in St. Florian Bruckner und Mozart von Franz Zamazal
OÖN vom 22.07.02
Die oö. Stiftskonzerte präsentierten am Freitag - mit einer Wiederholung am Samstag - in St. Florians ausverkauftem Marmorsaal zwei stilistische Gegensätze: Anton Bruckners Streichquintett aus 1878/79 in der Orchesterfassung von Rudolf Baumgartner und Mozarts Prager Symphonie, KV 504, aus 1786. Beiden verlieh Franz Welser-Möst mit Hilfe der gut disponierten "Camerata Salzburg" beeindruckend Lebendigkeit und Profil.
Bruckners Schöpfung, geprägt durch symphonische und klare individuelle Stimmführung, bleibt im Grunde ein Kammermusikwerk. Daher ist eine Übertragung auf eine größere Anzahl von Streichern mit Problemen belastet. Manches spricht dafür, manches aber dagegen. Welser-Möst hielt sich an die Angaben des Originals mit allen Differenzierungen und Gegensätzlichkeiten, vermittelte eine Wiedergabe mit Feingefühl, freilich ohne verdickte Stellen und Basslastigkeit vermeiden zu können. Auch die hallige Akustik des Raums mag dazu einiges beigetragen haben. Herausragend gelang jedoch der langsame Satz. Bruckner war eben ein unübertroffender Adagio-Meister. Und der Dirigent folgte ihm hier mit aller Sensibilität. Die Anweisung "ausdrucksvoll" war nicht eindringlicher zu realisieren.
Mozart schöpfte bei der Symphonie aus dem Vollen seines Künstlertums. Festlicher, feierlicher Prunk, persönliche Aussage und theatralische Dramatik formten die Ecksätze. Sie wirkten lustvoll, gewichtig mit Nachdruck und aufrüttelnd durch Akzente. Das Andante glich einem poetischen Gedicht. Diese musikalische "Mischung", immer differenziert wie ein Gespräch und dabei detailreich, hat sich prächtig entfaltet.
Schon als Grace Bumbry das Podium betrat, entfaltete sich eine Atmosphäre gespannter Konzentration und ein Flair exklusiver Eleganz. Wenn die große Dame einer fast versunkenen Stimmtradition, die sie von der großen Lotte Lehmann aufsaugen durfte, ihre Stimme erhebt, dann erklimmt tief empfundene Leidenschaft und warme Herzlichkeit, ja innige Zweisamkeit mit dem Publikum die Oberhand. Dieses Phänomen nicht nur einer seit über 40 Jahren erstklassisch präsenten Stimme, sondern eines künstlerischern "Gesamtkunstwerkes" war im Kremsmünsterer Kaisersaal zu erleben.
Obgleich sie die feine Auswahl aus Brahms' Liedern mit großer Vorsicht anging und auch bei Wagners Wesendonck-Liedern noch ein bisschen mit ihrer voluminösen Stimme geizte, erlebte man das, was viele Kommentatoren als längst verflossen sehen, nämlich eine stilsichere Phrasierung und das Entwickeln feinst nuancierter Melodiebögen, die in ihrer Schönheit kaum zu überbieten sind. >
Künstlerischer Höhepunkt waren fünf Lieder von Henri Duparc. Vielleicht lag es an der Sprache, aber hier steigerte sich Grace Bumbry zu einer absoluten Höchstform ihrer Kunstfertigkeit, wobei ihr wie immer kongenialer Partner Helmut Deutsch größten Anteil hatte, indem er alle nur erdenklichen Farbschattierungen dem Klavier zu entlocken verstand.
Den Abschluss bildeten fünf Spirituals, die nicht wirklich originell bearbeitet waren, bei denen sie jedoch ihrem Mezzosopran in voller Fülle freien Lauf lassen konnte. Ungemein schön Gershwins "Summertime" als Encore. Der Abend war - trotz eines wegen der großen Hitze unruhigen Publikums - ein wahres Lehrstück, was man mit Stimme und vor allem mit Intelligenz musikalisch bewegen kann. (wruss)
Das dritte Stiftskonzert bestritt Freitagabend das Quartett Ambassador im Sommerrefektorium des Stiftes St. Florian. Die Musiker, allesamt in führenden Positionen im Bruckner Orchester (Lui Chan, 1. Violine; Reinhold Kronawittleithner, 2. Violine; Manabu Suzuki, Viola; Elisabeth Bauer, Violoncello), treten seit einigen Jahren erfolgreich in Japan, China, Kanada, Südamerika und bei wichtigen Festivals Europas auf. Diesmal hatten sie den international bekannten Flötisten Peter Lukas Graf eingeladen, der in zwei Quartetten von Mozart (A-Dur, KV 298, D-Dur, KV 285) die Faszination an perlend schöner Melodik nützte. Eingangs erklang Haydns Streichquartett in D-Dur (op. 76/5), bei dem bei aller rhythmischer Pointiertheit die kantable Ruhe nicht ganz erreicht wurde. Das berühmteste von allen Streichquartetten Antonin Dvoraks, sein 1893 in den USA komponiertes F-Dur-Quartett (op. 96), bei dem bereits die Symphonie Aus der Neuen Welt durchklingt, bildete den Abschluss. Die sommerliche Hitze, welche die Intonationsqualität am Podium minderte, bewirkte eine gewisse Unzulänglichkeit der Gesamtstimmung. Dennoch applaudierte das dankbare Publikum nach Kräften. - Christine Grubauer - Das illustre Künstleraufgebot bei den Stiftskonzerten krönte am Samstag im schwülheißen Kremsmünsterer Kaisersaal Grace Bumbry, die schon Jahrzehnte gefeierte Opernsängerin, die ihre Kunst nun im Liedfach einsetzt. Und niemanden hat die einstige Primadonna assoluta dabei enttäuscht, vielmehr überrascht, wie spurlos die Zeit an der heute 65-jährigen schwarzen Venus von Bayreuth vorbeigegangen ist. Wiewohl noch immer ihre Mezzofarben am schönsten sind, ist das Mezza-voce von betörendem Ausdruck, die Höhe unaufdringlich von strahlendem Glanz, weil ohneforcierende Übertreibung.Ihr samtweiches Timbre galt es nur so nebenbei zu bewundern, in Liedern von Brahms, sodann, im schmerzvollen Tris-tanklang, in Wagners Wesendock-Liedern. Mit einem Ausflug ins Französische erinnerte die Diva an ihre Pariser Zeit, da ihr Weltruhm ihren Ausgang nahm. Höhepunkte setzten heimatliche, afro-amerikanische Spirituals, für die der Star in der Sommerglut des Abends mit Ovationen überschüttet wurde. Kongenialer Mitgestalter am Flügel: Helmut Deutsch, ein Wunschpartner der Elite Gewohnten.Georgina Szeless - Nächstes Stiftskonzert: 22. Juni (18 Uhr), St. Florian, Bruckner Orchester unter Dennis Russell Davies. Karten: Tel. 0732/77 61 27.
Die 29. Saison der oö. Stiftskonzerte wurde zum Wochenende (Samstagabend und Sonntagvormittag) mit einem künstlerisch fulminanten Auftakt im Marmorsaal des Stiftes St. Florianeröffnet. Zur Freude aller haben sich nämlich Freunde zum Musizierengetroffen, wie es ja bei diesem beliebten Festival üblich ist. - - - Theodor Guschlbauer kehrte wieder einmal ans Pult des(seines) Bruckner Orchesters zurück und dirigierte ein für ihn persönlich verdächtiges Wunschkonzert. Denn seine Vorliebe für französische Musik und die Wiener Klassik ist noch in bester Erinnerung. - Die Auffrischung legte mitGabriel Faurés Orchestersuite "Pelléas et Mélisande" op. 80 gerade die richtigen Merkmale der Aufführung offen: Eindringen in die feinnervige Werkstruktur, Sinn für harmonischen Farbenreichtum, schwebende Melodiebögen,aufleuchtende Dynamik.
- Und dann Guschlbauers Mozart: Das bedeutet Eleganz,Charme, das bedeutet auch schlanker Ton mit festem Charakter, wobei Lockerheit, Akkuratesse und natürlich Präzision im Vordergrund stehen. Spannung und viel Genuss gab es demnach im D-Dur-Marsch K 237 und in der "Colloredo"-Serenade D-Dur K 203, die das souverän-ruhig gespielte, auf Klangschönheit bedachte Geigensolo von Konzertmeister Heinz Haunold bereicherte. - Der mittlere Teil des Abends war vokal aufgelockert und stand in der gestalterischen Qualität nicht nach. Mit instrumental geführter Stimme sang Eva Lind eine Mozart-Arie aus der Oper
"Il ré pastore" und danach die Scena di Berenice (1795) von Joseph Haydn, glockenklar und mühelos in exponierter Höhe. Leider brachte die ungünstige Saalakustik die ausgefeilte Zeichnung der Wiedergabe speziell in der Mittellage nicht zur vollen Wirkung. Das Publikum hing an Guschlbauers Mozart und erhielt für den frenetischen Beifall noch zwei Kostproben. - Georgina Szeless
Die oö. Stiftskonzerte (29. Saison) haben am Samstag in St. Florians
Marmorsaal erfolgreich begonnen und dabei die Gründe ihrer Attraktivität
gezeigt. Es sind dies die Vermittlung von Freude an guter Musik,
erstklassige Interpreten mit internationaler Reputation und ein wohl
überlegter klassisch-romantischer Programm-Mix, der auch für spätere
Stil-Epochen Platz lässt. Im Konkreten: Theodor Guschlbauer, einst Opern- und Orchesterchef in Linz und somit nicht vergessen, hat sich in all den Jahren nicht verändert. Er dirigiert mit unvermindertem Einsatz und ebensolcher Genauigkeit, führt absolut sicher durch die Werke und lässt spüren, dass sie ihm am Herzen liegen. Daher spielte das Bruckner Orchester auch prächtig.
Die Suite "Pelléas et Mélisande" von Gabriel Fauré geriet voll Poesie mit
weichen, aber dennoch präzisen Klängen, mit all ihren Farben, Nuancen und Stimmungen. Die international erfolgreiche Sopranistin Eva Lind sang
glockenhell, mit angenehmem Organ, vom Orchester fürsorglich getragen, eine Arie aus Mozarts "Il ré pastore" und von Joseph Haydn die Konzertarie
"Berenice" mit sicherer Höhe und geläufigen Koloraturen. Zusammen mit dem Orchester entfalteten sich die theatralischen Effekte und Affekte.
Mozarts Colloredo-Serenade samt dazugehörigem Marsch geriet plastisch,
kontrastreich und voll festlicher Heiterkeit, dabei die
kompositionstechnischen Überraschungen auskostend. Man konnte nur staunen, was Mozart in dieser kammermusikalischen Partitur alles verpackt hat, und die Wiedergabe ließ nichts unbeachtet. Wirkungsvoll gelangen die akkuraten Violin-Soli samt den Kadenzen (Konzertmeister Heinz Haunold) und jene der Bläsersolistinnen in schönem Gleichklang mit dem Orchester. Das geistreiche Vergnügen erfasste alle Sätze bis hin zum losgelassenen Final-Prestissimo. ( von Franz Zamazal )
Wieder klingende Namen bei den oö. "Sommerfestspielen"
Neues Volksblatt - Kultur 6.April
Die Oö. Stiftskonzerte gehen heuer in die 29. Saison ihres Bestehens, sie erreichen mit dem Motto "Freude an Musik" jährlich acht- bis zehntausend Besucher. Heuer stehen vom 8. Juni bis 28. Juli 19 Konzerte zur Auswahl, Novität dieses Sommers ist die Einbeziehung der Stiftskirche Waldhausen. - - Anlässlich der Landesausstellung finden in Waldhausen am 29. und 30. Juni mit festlicher Bläser- und Orgelmusik sowie Händels "Messias" erstmals Stiftskonzerte statt. Zu diesen und einigen anderen Terminen gibt es heuer auch einen Bustransfer für die Konzertbesucher. Den Auftakt in St. Florian startet traditionsgemäß das Bruckner Orchester, diesmal mit Theodor Guschlbauer am 8. und 9. Juni im Marmorsaal. Am 22. Juni ist das heimische Orchester mit Dennis Russell Davies und Bruckners "Achter" in der Florianer Stiftskirche zu hören - für den designierten Orchesterchef eine Premiere in St. Florian. - Zu Gast zu den heimischen "Sommerfestspielen" kommen treue Bekannte und neue Künstler, das Programm ist sechs- mal mit Pianisten - solistisch oder kammermusikalisch - bestückt. Grace Bumbry, legendärer Mezzosopranstar, konnte über ihren Begleiter am Klavier, Helmut Deutsch, für einen Liederabend in Kremsmünster (15. 6.) gewonnen werden, wie fast alle Jahre wieder kommen die beliebten britischen Vokalisten "The Scholars". Franz Welser-Möst gastiert kurz vor seinem Amerika-Einstieg an zwei Abenden mit der Camera Salzburg, um Bruckner und Mozart zu musizieren (19. und 20. Juli). Der einzige Streichquartettabend mit "Ambassador" findet ebenfalls in St. Florian statt. Ein ausgewogenes Programm, das wieder auf regen Zuspruch und die Zufriedenheit der Besucher hoffen lässt.Chr. Grubauer - Detailinformationen: 0732/77 61 27, http://www.stiftskonzerte.at
Der Zeitrahmen steht fest: 8. Juni bis 28. Juli. Der geografische Bereich ist abgesteckt: von Waldhausen bis Lambach. Das Alphabet der Tonkünstler ist fixiert: von Grace Bumbry (Vokal) bis Stefan Vladar (Klavier). Die Rede ist von den Oberösterreichischen Stiftskonzerten, VKB-gestützt, 29. Saison.
Eines der ältesten und konsequentest in Anspruch und vermittelter Qualität durchgezogenen oberösterreichischen Kunstfestivals der zweiten Hälfte des 20. Jh. und herübergeführt ins 21. Jh. geht auf den Dreißiger zu. Aber zuvor ist die Saison dieses Jahres zu absolvieren.
Die sieht gut aus, und - sicher in der Erwartung der Veranstalter nicht zu hoch gegriffen - es werden etwa 10.000 Besucher das Gebotene beklatschen. In St. Florian, Kremsmünster, Lambach (wieder einmal) und Waldhausen (erstmalig).
Die Freundesschar der Musiker um den künstlerischen Leiter Stefan Vladar ist mit dabei wie seit Jahren. Die Eröffnung macht am 8. und 9. Juni das Bruckner-Orchester unter Theodor Guschlbauer, den Abschluss am 27. und 28. Juli die Academy of Ancient Music. Ein Querdurch des hochkarätigen Angebots, von oberösterreichischen Kräften bis zur Weltspitze. Dass eine Sängerin wie Grace Bumbry auf dem Besetzungszettel aufscheint, ist eine kleine Sensation. Ein Beispiel. Der Rest steht im Prospekt.
Es gibt noch für alle Konzerte Karten, wenn auch nicht mehr viele. Schnell bestellen. Vier Mal ist Busservice angeboten. (rt)
Tel. (0732) 77 61 27, Fax 76 37/333. e-mail: bestellung @stiftskonzerte.at - homepage: www.stiftskonzerte.at