Wird doch nicht gar ein Signal sein, dass die OÖ Stiftskonzerte mit einer Uraufführung vom Stapel liefen. A.F. Kropfreiters "Concerte per Archi" präsentierte sich bei geschärfter Harmonik kantabel, wohlklingend und bekennt sich offen zur Kunst motivischer Vernetzung und dicht gewebten Satzgefüges, was dem Komponisten im Marmorsaal zu St. Florian Anerkennung brachte. Außerdem gab es Beethovens Violinkonzert mit Benjamin Schmid sowie die "Achte" mit Dirigent Roberto Paternostro und dem Bruckner Orchester.
Bei einem Stiftskonzert in St. Florian sprang der junge deutsche Bariton Dietrich Henschel für Oliver Bär ein und erzielte mit einem Schumann - Mahler - Programm in einem wahren Schaffensrausch fast alle große Liederzyklen. So auch den Liederkreis op. 39, für den er mit der typischen Geste eines Romantikers Texte Eichendorffs auswählte und zu einem Zyklus verband, der das Menschenschicksal in all seinen Schattierungen wiederspiegelt. Dietrich Henschel gelang es bravourös, die emotionalen Extreme zwischen zarter, leicht melancholischer Hoffnung und weltentrückter Schwermütigkeit.
Konzentriert formte er fein ziselierte Melodiebögen, bei denen jedes Wort durch die ausdrucksstarke Phrasierung die ihm zustehende Bedeutung erlangte.
Fast noch überzeugender waren die vier Rückert-Lieder von Gustav Mahler. Gemeinsam mit seinem kongenialen Klavier-Partner Helmut Deutsch versetzte Dietrich Henschel das Publikum in höchste Spannung.
Schlicht und ohne jegliche Übertreibung, jedoch mit äußerst tief empfundener Leidenschaft zeichneten sie die Seelenabgründe der Mahlerschen Endzeitstimmung nach. Der Bariotn zog alle Register seiner hohen technischen Perfektion, die von dem zartesten Pianissimo über eine geheimnisvolle mezza di voce bis hin zur eruptiven Attacke im wohldosierten Forte reichten.
Helmut Deutsch, inspieriert von der Dynamik des jungen Sängers, erfüllte jedes scheinbar noch so unbedeutende Detail mit unglaublicher Farbigkeit und bereitetet in den abschließenden Wunderhorn-Liedern durch sein äußerst impulsives Spiel den Boden für weitere herausragende Interpretationen. Ein rundum gelungener und heftig akklamierter Abend.
Oö. Stiftskonzerte, die dritte. Im Kaisersaal der Abteil Kremsmünster begeisterte das Hagen Quartett - die Geschwister Lukas (1.Violine), Veronika (Viola), Clemens (Violoncello) Hagen sowie Rainer Schmidt (2.Violine) - vor allem mit Schuberts d-Moll-Quartett " Der Tod un das Mädchen". Die Gäste aus Salzburg musizierten mit glasklartet Intonation, griffiger Artikulation und stürmischer Lebendigkeit, wofür das Publikum mit begeistertem Applaus dankte. Als besonderen Leckerbissen empfand man die "Fünf Arien" in einer Fassung für Streichquartett aus der Oper "Louisa Milller" von Giuseppe Verdi: Die ansprechend instrumentierten Stücke boten treffliche Gelegenheit, das Fluidum des italienischen Belcanto auf Podium zu zaubern und dabei ernsthafte Hingabe fallweise mit einer gehörigen Portion Ironie zu würzen. Als weitere Hommage an Jahresregent Verdi stand dessen Streichquartett in e-Moll am Programm.
Das Hagen-Quartett - hervorragendes österreichisches Ensemble der jüngeren Generation mit internationalen Ruf - beeindruckte beim Freitag-Stiftskonzert in Kremsmünster Kaisersaal. Das Verdi-Jahr musste kommen, um dem einzigen Streichquartett des Komponisten zu begegnen. Die Interpretation war auf deutliche emotionelle Distanz angelegt, und nicht wie eigentlich erwartet auf klangliche Üppigkeit. Dennoch war beim Ausloten der Dimensionen der Atem des Musikdramatikers zu spüren. Die vier spielten sehr sensibel und direkt, nicht unbedingt auf Klangschönheit, sondern auf Wahrhaftigkeit der Aussage zielend.
In einem anderen Schaffensbereich Verdis führte die Streichquartett-Fassung von fünf Stücken aus dessen Oper " Der Tod und das Mädchen" wurde mit den Augen und Ohren der Jugend gespielt: Mit Intensität und Ausdruck, mit Schwung und Leidenschaft, weiters direkt als eine kühne Auseinandersetzung mit den letzten. Schubert ging hier eine hervorragende Interpretation voll beklemmender Dichte. Erst die Zugabe aus Verdis "Luisa Miller" löste die Spannung.
Stiftskonzerte: Auftakt in St. Florian -
Hier stimmt die Qualität
11. Juni 2001
Schon der Beginn der Oö. Stiftskonzerte am Samstag in St. Florian ausverkauften Marmorsaal zeigte eine der maßgeblichen programmatischen Leitlinien dieses Festivals.
Zu registrieren galt es das künstlerische Potential des Linzer Bruckner Orchester als Aushängeschild; einen bekannten Solisten der jüngeren Generation: einen bekömmlichen Programmmix aus Gängigem in hervorragender Interpretation: und ein Beispiel überregional anerkannter heimischer Kreativität, verkörpert durch Austustinus F.Kopfreiter.
Der gebürtige Wiener Benjamin Schmid als einer der jüngeren Geiger von europäischer Zuschnitt spielte Beethovens Violinkonzert mit tragendem herrlichen Ton, sehr sensibel, wobei besonders die lyrische Ruhe und das Ebenmaß der Sätze aufhorchen ließen. Das Zuhören war ein Vergnügen und spannend. Eine weitere Facette seines Künstlertums zeigte die Zugabe: die ruhig fließende Sarabande aus Johann S. Bachs d-Moll-Partita.
Das Bruckner Orchester unter der Leitung des gewissenhaften Roberto Paternostro, bekannt durch die fulminante "Götterdämmerung" beim Brucknerfest 2000, spielte ausgewogen zwischen den Instrumentalgruppen, eingepasst in die heikle Raumakustik doch fest und in keinem Parameter überbordend. Gute Eigenschaften, die sich auch in Beethovens 8. Symphonie äußerten: heiter und unbeschwert.
Kropfreiters "Concerto per Archi 1999" als Uraufführung erwies sich als gedankenreiches Gebilde: abgehoben von lautem Getriebe als anspruchsvolle Musik voll von Expressivität, mit Gegensätzen aus Tutti-und Soloabschnitten, knapp und prägnant formuliert in einer abstrakten Klangwelt. Dabei ist in einem Variationssatz ein wohlbekannstes Wiederlied eingebunden....Große Fülle on drei Sätzen bi hin zum abrupt wohlkalkulierten Schluss.
Die Programme der Oö. Stiftskonzerte reihen Spitzenleistungen der Interpretationskunst aneinander. Am Sonntag begeisterte in St. Florians Marmorsaal das "Hilliard Emseble" aus London, ein a-capella Männerquartett (Countertenor, zwei Tenöre und Bass) mit bewunderndswerter vokaler Sicherheit und Flexibilität. Die besondere Qualität äußert sich in harmonisch ausgewogenen Zusammenklang der wunderbar fließenden Stimmen.
Die Vortragsfolge befasste sich thematisch mit der Offenbarung in der profanen, aber auch in der mystischen Bedeutung des Wortes. Es gab Beispiele aus der Renaissance wie prägnante Formulierungen von Heinrich Schütz und noch Älteres. Und dazwischen war ganz Neues eingeschoben, maßgeschneidert für das Können des Ensembles. Die aus Aufträgen und Wettbewerben hervorgegangenen Partituren geben sich höchst anspruchsvoll, in beiden Linien, einfallsreichen Akkorden und in gewisser Anlehnung an das Alte. Die Komponistinnen Joanne Metcalf (geb. 1958), Karen Thomas (1957) und Marja Einfelde (1939) setzten ganz auf Klang. Alexander Raskatov (1953) verpackt in das in Kirchenslavonisch gesungene "Loblied auf den Schöpfer" wirkungsvolle heutige Tonkunst.
Ein gutes, aber langes Programm, um für die Moderen eine gewichtiges Wort zu reden. Ein eigenartiges Konzert, dem anhaftender Jubel folgte.
Völlig ungewohnt für das Publikum der Oö. Stiftskonzerte war die Fülle Neuer Musik, die das Ensemble in seinen Abend im Marmorsaal des Stiftes St. Florian einschmuggelte - hoffentlich nicht zum Missmut der Veranstalter: Denn das Publikum goutierte die zeitgenössischen Einschübe der vier Briten nach je einem Renaissancestücl mit Vergügen.
Und wirklich: Diese vier Herren - David James (Coutertenor), Roger Covey-Crumb (Tenor), Steven Harrold (Tenor) und Gordon Jones (Bass) - die jährlich in 100 Konzerten mit sehr unterschiedlichen Programmen als internationales Erfolgsensemble unterwegs sind, verstehen es den Bogen vom Beginn der Mehrstimmigkeit bis in unsere Zeit zu spannen. Mit ornamentalen Verzierungen der Einstimmigkeit des 13. Jahrhunderts ging es fast unmerklich in die neue Musik mit sanft schräg klingenden, übereinander geschichteten Harmonien von Joanna Metcalf (geb. 1955), die als Preisträgerin des Kompositionswettbewerbs der Hilliards mit drei Stücken vertreten war. Mit englischen Text von Dante, in weit ausholenden Vokalismen und ungewöhnlichen Überraschungsklängen, faszinierte immer wieder die unglaubliche Homogenität der Sänger.
Karen Thomas (1957), Marja Einfelde (1939) und Alexander Raskatov (1953) - letzteres Stück als 5-sätziges Lob an den Schöpfer in Kirchenslavonisch gesungen - waren zwischen den Altmeistern de Machaut und di Lasso zu hören. Ein Abend der hohen Kunst des A-capella-Singens in unüberbietbarter Vollendung.
STIFTSKONZERTE: Heinrich Schiff ließ Schubert "unter die Haut" gehen Lebenslust in die Todesangst geschlittert VON IRENE JUDMAYER
OÖN 09.Juli.2001
Rastlos der Schlaf. Schweißüberströmtes Hochschrecken. Das Herz spüren bis in den Rachen. Traumfetzen. Hineingleiten, wieder hochschrecken, ein Schluck Wasser, Angst. Derartige Bilder zeichnete der in Südtirol geborene Komponist Luigi Dallapiccola (1904-1975) in seiner "piccola musica notturna", geschrieben im Jahr 1954. Zwei Weltkriege knapp vorher überstanden - kein Wunder, dass die Nächte noch albtraumschwer waren, der Schlaf angstdurchtränkt. Spürbar emotionalisiert hat dies das Bruckner Orchester Linz jetzt nachgezeichnet. Beim samstäglichen Stiftskonzert unter der herrlichen trompe-l'oeil-Kuppel des Marmorsaales von Stift St. Florian - einem der prächtigsten Beispiele barocker Scheinarchitektur. Hochpräzise gespielt setzten die sparsamen Pizzicati markante Akzente in dieser packenden einsätzigen Zwölftonkomposition. Dichte Streicherpassagen verweisen auf Beklommenheit, auf Bedrückung. Das Hochschrecken plastisch herausgemeißelt.
"Diese kleine Nachtmusik hat wohl wenig mit jener Mozarts zu tun!" verwies Dirigent Heinrich Schiff am Konzertbeginn auf die dunkle Botschaft und zugleich darauf, dass man dieses Stück ohne Unterbrechung durch Applaus nahtlos vor Franz Schuberts "Unvollendete" (Symph. Nr. 7 h-Moll, D 759) stellen wolle.
Eine Entscheidung, die leicht nachzuvollziehen war. Schließlich steht diese Symphonie in unmittelbarem Zusammenhang mit der Diagnose eines - im Programmheft nobel als "venerischer Erkrankung" umschriebenen - Leidens, das Schubert elendiglich zu Grunde gehen ließ. Syphilis. Das war zu dieser Zeit ein unausweichliches Todesurteil und Schuberts Leben ab diesem Zeitpunkt wohl auch geprägt von Todesangst und Unrast. In den sechsundzwanzig Minuten der Unvollendeten offenbart sich denn auch diese Zerrissenheit, dieses Wissen um schwärzeste Schatten.
Heinrich Schiff versteht es wie kaum ein anderer, diese Gefühlsexplosionen zwischen idyllischer Selbsttäuschung und herbem Schmerzempfinden umzusetzen. Selten hat eine Interpretation dieses zweisätzigen Werks auch so viel Direktheit, so viel sinnliche Aufgeregtheit und somit ver- und zerstörte Sexualität transportiert. Und damit hat eine Geschlechtskrankheit doch wohl auch untrennbar zu tun.
Packend, wie sich dafür das Bruckner Orchester als reichhaltige Palette nutzen lässt. Die Streicher - ein vibrierendes Netz zwischen gefühlsseliger Legato-Süffigkeit und vibrierendem Nervengespinst. Die Bläser - blechgepanzerte harsche Schnitte quer durch das Leben setzend.
Johannes Brahms' a-Moll-Konzert für Violine, Violoncello und Orchester op. 102 führte den Abend in die letzte Runde. Entstanden war dieses Werk 1887, um den Bruch der Freundschaft des Komponisten mit dem Violinvirtuosen Joseph Joachim nach dessen Ehescheidung zu kitten. Dass Brahms an dieser Freundschaft anscheinend wirklich viel gelegen war, zeigte die hochvirtuose Instrumentenführung, mit der Joachim sein Können bestens demonstrieren konnte. In St. Florian übernahmen dies die Geigerin Hanna Weinmeister und ihr Bruder Bruno mit ineinander aufgehender organischer Spiellust und bestechender technischer Raffinesse.
Langanhaltende Begeisterung beim (allzu) dicht gedrängten Publikum, das hier die musikalische Entsprechung für einen sturmgepeitschten Sommerabend fand.
STIFTSKONZERTE: Zwei Mal Heinrich Schiff
Klangvolles Geburtstagsfest VON MICHAEL WRUSS
OÖN 10.Juli.2001
Vergangenes Wochenende gab es bei den Stiftskonzerten ein Fest für Heinrich Schiff, der gerade seinen 50. Geburtstag feierte. Neben dem Konzert mit dem Bruckner Orchester (siehe gestrige OÖN-Ausgabe) gab Schiff zwei Kammermusikabende mit Solisten dieses Ensembles.Das erste Konzert fand im Stift Lambach statt und stellte Werke von Johannes Brahms in Beziehung zur klassischen Moderne. Nach der virtuos und mit überschwänglicher Verve gespielten Cellosonate op. 99 interpretierte die feinfühlende Klarinettistin Kathrin Moser Alban Bergs "Vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5". Das durchaus hochromantisch anmutende "Grave" für Cello und Klavier von W. Lutoslawski war ein ideales Vorspiel für das eigentliche Hauptwerk des Abends, Brahms` Klarinettentrio. Dieses Opus stellt einen markanten Wendepunkt in seinem Schaffen dar. Brahms entwickelt eine neue, bereits ins 20. Jahrhundert voraus weisende Formsprache, ohne jedoch den Eindruck eines radikalen Bruches mit den gestalterischen Traditionen entstehen zu lassen.
Über den Dingen stehend animierte Heinrich Schiff seine Partner Stefan Vladar und Kathrin Moser zu einer interpretatorischen Höchstleistung voll Spannung und außergewöhnlicher Emotionalität, die vom Publikum mehr als nur gefeiert wurde.
Im zweiten Konzert im Stift Kremsmünster wurde auf eine bereits bewährte Kombination - nämlich Schreker und Schubert - zurückgegriffen. Konzentriert führte Heinrich Schiff 22 Mitglieder des Bruckner Orchesters durch den klanglichen Kosmos von Franz Schrekers 1917 entstandener "Kammersymphonie". In diesem einsätzigen (trotzdem vierteiligen) Werk ging es dem Komponisten weniger darum, einen neuen auf das reduzierte Orchester angepassten Stil zu finden, als vielmehr seinen angestammten radikal neu zu überdenken. Es entstand ein lebhaft frisches Werk mit einer überraschend vielfältigen Klangpalette, die auch Schuberts Streichquintett in C-Dur (D 956) auszeichnet. Allerdings schwankt dieses im Todesjahr 1828 entstandene Werk zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod, der jedoch im heiteren Finale Erlösung verspricht. Mit Heinrich Schiff am 2. Cello gelang dem Brucknerquartett eine gefühlsbetonte und überzeugende Wiedergabe, die vom Publikum heftig beklatscht wurde.
10.07.2001
Sein 50. Geburtstag bot Heinrich Schiff Anlass und Gelegenheit für mehrere Auftritte in seiner ober-österreichischen Heimat. In einem der zwei ihm zugedachten Stiftskonzerte in Kremsmünster war der Cellist auch als Dirigent gefordert, und zwar durch das bedeutendste Instrumentalwerk des von den Nazis in den Tod getriebenen Franz Schreker, die Kammersymphonie für 23 Soloinstrumente von 1916. Zehn Jahre nach Schönbergs Kammersymphonie weckte der als Opernkomponist so erfolgreiche Schreker noch immer sinnliche Klangwelten; die früher so typische, rauschhafte Emphase erscheint aber merklich knapper gehalten. Was macht das schon bei einem gefühlsorientierten Musiker wie Schiff, der den aus Mitgliedern des Bruckner-Orchesters und Solisten wie Stefan Vladar (Klavier) gebildeten Klangkörper im barocken Ambiente des akustisch "ergiebigen" Kaisersaales zum üppigen Klangbild animierte. Man sollte das reizvolle Werk öfter hören können und möglichst in solch beeindruckender Wiedergabe.
Allüberall spielt man im Verdi-Gedenkjahr gerne des Meisters große Totenmesse. Doch weder das Brucknerhaus noch das Linzer Landestheater riskierten die naheliegende Aufführung der "Messa da Requiem". Die Oö. Stiftskonzerte hingegen ließen die Gelegenheit nicht verstreichen. Ihr künstlerischer Leiter, Stefan Vladar, überraschte in der Stiftsbasilika von St. Florian durch eine zwar kontrastreiche, aber nur selten auf forcierte Effekte bauende Darstellung des Werkes.Insbesondere auch im Schreckensbild der "Dies Irae"-Sequenz steuerte der Dirigent eine innig erfühlte Gangart, die mit betont ruhigen Tempi verbunden war. Dass im Bereich einer dynamischen Eskalation häufig auch die Wirkung eines Diminuendo, eines Leiser Werdens zum Tragen kam, wirkte durchaus authentisch. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die vielen Piano-Vorschriften Verdis alle erfüllt worden wären.
Der Tschechische Philharmonische Chor Brünn (Einstudierung Petr Fiala), erst 1990 gegründet, entwickelte im halligen Raum imponierende Präsenz; sein Klangcharakter schien aber nicht ganz frei von Schärfen zu sein.
Den Grazer Symphonikern, dem Konzertorchester der steirischen Landeshauptstadt, war für den ambitionierten Einsatz auf der Basis eines recht beachtlichen Könnens zu danken.
Ein besonderer Vorzug dieses Konzerts waren die Solisten. Allzu selten trifft man auf ein Quartett wie dieses, das klanglich zueinander passt und erkennbar um dynamische Gestaltung bemüht ist. So riskierte Jonas Kaufmann mit seinem flexiblen Tenor den schwierigen Piano-Einsatz des "Hostias". Der locker gebildete, in der Höhe aufblühende, belastbare Sopran von Beatrix Fodor lotete im "Libera me" seine Grenzen aus. Egils Silins (Bassbariton) gestaltete seinen Part markant, Margareta Hintermeier wirkte mit ihrem dunklen, strömenden Mezzosopran im größten der Solo-Parts völlig souverän.
"I Solisti Veneti", das Kammerorchester der Extraklasse, beschloss beifallsumtost am Wochenende die diesjährige Reihe der oö. Stiftskonzerte in St. Florians ausverkauftem Marmorsaal. Diese fallweise mit Bläsern ergänzte Streicherformation, unspektakulär gleichsam mit väterlichem Wohlwollen vom Gründer Claudio Scimone geleitet, besteht aus hochkarätigen Solisten. Technische Brillanz und Homogenität, Musikalität und Sensibilität sind selbstverständlich. Diese verbinden sich mit sagenhafter Präzision, und mit ansteckender Lebendigkeit werden die musikalischen Parameter der Werke vermittelt. Einmalig wirkt das einem zarten Hauch gleiche x-fache Pianissimo. Vergnügliche Musik aus dem schier unerschöpflichen Vorrat des Musiklandes Italien .
Das Programm enthielt auch ein humorvolles Quodlibet des 10-jährigen Mozart, stellte aber die solistischen Qualitäten der Ensemblemitglieder deutlich heraus. Das Oboenkonzert (D. Cimarosa) mit unverkennbarer Nähe zur Oper entfaltete sich in kräftigem Ton. Ein selten gespieltes Trompetenkonzert (G. Tartini) forderte artistisches Können. Paganinis Variationen über die bei uns als "Mein Hut, der hat drei Löcher" bekannte Melodie nötigte den Geiger zu meisterlichem Höhenflug. Noch um eine Stufe höher führte G. Bottesini in "Großes Konzertduo" den Solokontrabassisten, der es mit höchsten Tönen und rasanten Passagen der Geige gleichmachte.